Wir flogen von Cairns nach Perth da wir in der Nähe von Perth Arbeit auf einer Farm gefunden haben. Wir blieben eine Woche in dem billigsten Hostel, was es dort gab, da wir nicht sofort in die zur Arbeit dazugehörige Wohnung einziehen konnten. Es war schon ein wenig schäbig, aber die Menschen waren größtenteils sehr umgänglich. Ich fand sogar Menschen, die mit mir zusammen Sport betrieben und feiern gingen.
Nach einer Woche konnten wir dann in einen kleinen Neben Ort, ca. 40 Minuten Autofahrt südlich von Perth in unser neues Haus einziehen. Da es Farmarbeit ist, dachten wir, dass es ein großes Sharehouse ist mit vielen Menschen, wenig Platz und keinem Komfort. Stattdessen wurden wir sehr herzlich empfangen und bekamen ein sehr gemütliches Bett. Wir lebten mit 5 Taiwanern, der Frau unseres Managers und ihm selbst zusammen in einem Haus. Die Küche ist voll ausgestattet, die Duschen sind hervorragend und es fehlt uns nicht mal an kostenlosem guten WiFi oder einem eigenem Zimmer.
In der ersten Woche gab es erstmal nur Arbeit für Kevin. Sie standen früh um 4 auf, um im Stockdustern um 5:30 auf der Farm zu beginnen. Um 12 bis 12:30 wurde die Arbeit niedergelegt und sie kamen dreckig und Kevin völlig erschöpft wieder nach Hause. Ich stattdessen schlief aus, suchte mir am zweiten Tag ein Fitnessstudio und wartete bis ich auch anfangen durfte zu arbeiten.
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Die Woche darauf konnte ich dann endlich auch was tun. Den ganzen Tag alleine zu Hause rumzusitzen, kann doch schon etwas ermüdend sein, jedenfalls für mich. Mein erster Tag begann damit, dass ich um 4:20 aufstehen musste. Anfangs mussten sich unsere Körper sehr an die körperliche Arbeit gewöhnen. Unsere Rücken protestierten und wir hatten gelegentlich ziemliche Müdigkeitsanfälle, aber wir gewöhnten uns daran und sind inzwischen 2 der besten Mitarbeiter.
Die Farm besteht aus einem Shadehouse (mit einem Netz überdachten kleinem Feld) mit 160 Reihen mit jeweils ca. 650 Pflanzen pro Reihe, wo verschiedene Gemüsearten (Paprika, Auberginen und Cherry-Tomaten) gepflanzt, gepflegt und gepflückt werden. Diese Reihen bestehen aus Erdaufhäufungen mit mehreren übereinander angelegten Drähten, die die Pflanzen in Reih und Glied halten und sie dazu ermutigen nach oben zu wachsen und nicht kreuz und quer durch die Wildnis. Dieses Shadehouse ist unser Hauptarbeitsgebiet.
Am Anfang jeden Tages sammelten wir alle Früchte ein, die nicht für den Verkauf geeignet waren und von den Pflückern übrig gelassen wurden. Des Weiteren begannen wir zu einer Zeit wo die Saison gerade zu Ende war, der Boden erneuert und die alten Pflanzen entfernt werden mussten. Somit schnitten wir Tagein, Tagaus alle Pflanzen herunter. Auberginenpflanzen können sehr hartnäckig sein und waren größer als wir selbst. Man kam sich vor wie in einem Auberginenpflanzenurwald. Die Paprikapflanzen waren wesentlich kleiner und dünner, was die Arbeit sehr erleichterte.
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Als dies getan war, zogen wir die Wurzeln aller Pflanzen aus dem Bodend und ließen sie an Ort und Stelle zurück. Dies war am Anfang sehr schwierig, erst mit einer Schaufel lockern, dann rausziehen und von der restliche Erde befreien und das Ganze in gebückter Haltung. Einen Monat später war das so leicht, dass man im 5-Sekundentakt je eine Wurzel aus dem Boden ziehen konnte, mit der Hand und ohne vorher zu lockern. Diese wurden später eingesammelt, sodass ein sauberes wurzelloses Shadehouse zurückblieb. Allerdings blieb nach wie vor ein feines undurchdringliches Netz an Wurzeln übrig..
Dieses, entschied unser Chef, musste dieses Jahr (Letztes Jahr wurde das nicht getan) auch entfernt werden, damit die neuen Wurzeln der neuen Pflanzen sich ohne Hindernisse ausbreiten koennen. Das bedeutete, dass wir die komplette Erde umschaufeln durften. In allen 160 Reihen (eine Reihe ist 100m lang) … Wir schaufelten und hackten die Erdanhäufungen unter den Drähten heraus. Dies war eine der körperlich anstrengendsten Zeit meines Lebens. Es hat uns ca. 3-4 Monate gekostet, bis wir alle Reihen umgeschaufelt hatten. Am Ende dieser Zeit waren wir körperlich fast unbezwingbar.
Mit der Zeit verließen die Taiwaner die Farm, einer nach dem Anderen und unsere Gruppe verkleinerte sich stetig. Anfang Oktober waren wir nur noch 3 Leute. Teilweise arbeiteten wir mit Pflückgruppe zusammen, die normalerweise die Salatpflanzen außerhalb und alle Früchte im Shadehouse pflückten.
Zwischen unserem Schneiden, Schaufeln, Herausziehen, Hacken und Schwitzen pflanzten wir jeden Donnerstag oder Freitag ca. 30-40.000 winzige Salatpflänzchen auf einem großen Feld außerhalb des Shadehouses. Zu Beginn waren wir welche der langsamsten Pflanzer. Inzwischen können wir beide gleichzeitig mit beiden Händen oder mit einer Hand pflanzen (beides gleich schnell), dass wir in 1 ½ Stunden eine ganze Reihe bestückt haben (andere brauchten 2 ½ – 3 Stunden). Es ist immer eine stetige, etwas harte aber ehrliche Arbeit, wo man am Ende des Tages sehr genau sieht was man geschafft hatte.
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Das Schöne an unserer Arbeit ist, dass wir Musik hören dürfen oder auch Hörbücher. Somit konnte man sich ganz leicht in eine schöne Geschichte vertiefen und schon ging es zum Mittagessen. Außerdem schafft man es dann endlich mal, alle Hörbücher zu hören, die man immer schon mal hören wollte.
Ein paarmal in unserer Zeit auf der Farm besuchten wir natürlich Perth. Die Sehenswürdigkeiten reichten von Blumen, dem DNA-Tower über Brücken und schönen Aussichten im Kings Park bei sonnigem Wetter. Zusätzlich gab es eine kuriose Sport-Treppe (Jacobs Ladder), wo es sich ein paar Menschen zur Gewohnheit gemacht hatten zur sportlichen Betätigung hoch und runter zu laufen. Wir absolvierten diese Challenge einmal und das reichte völlig aus.
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An einem Abend in Perth fanden wir durch Zufall ein kleines Gourmet-Essens-Festival, wo es kreative Honigwaben zum verschlingen gab und viele andere kleine Köstlichkeiten. Das Highlight war aber die Grüne-Smoothie-Show. Der Moderator war ein symphytisch-aussehender, vollbärtiger Mann der mit vollem Enthusiasmus und giftig aussehendem Grünzeug eine wunderschöne motivierende Show hinlegte. Dort störte es auch nur ein kleines bisschen, dass er seinen Mixer falsch öffnete und, zur Belustigung aller, alles unten herausplatzte. Er nutzte die Chance um einen weiteren leckeren Smoothie zu kreieren, der in kürzer als 2 Minuten fertig war. Dieser Kerl schaffte es mich zu motivieren für die nächsten 8 Monate regelmäßig Smoothies zuzubereiten. Danke dafür (Link: https://www.facebook.com/CostasWorld/?fref=ts)
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In unserer Freizeit gab sich Kevin ganz seinem Computer hin und kaufte sich nach ein paar Monaten einen neuen Laptop mit Touchscreen, sodass ich auch einen Laptop habe, um irgendetwas damit zu tun. Wir probierten zeitweise neue Dinge zum Kochen aus und inzwischen sind wir darin ziemlich gut. Da auf der Farm alle Früchte mit Schönheitsfehlern weggeworfen werden, fühlte ich mich manchmal dazu gezwungen 15 Paprika mitzunehmen und sie irgendwie sinnvoll zu verwenden. Einmal brachte ich 2 riesige Tüten in unser altes Hostel, weil wir sie nicht schnell genug verwerten konnten. Ein einziges Mal versuchte ich vegetarische Patties zuzubereiten. Sie waren am Ende wie labbrige nach paprikaschmeckende Eierkuchen. Ein andermal mischte ich mir Guacamole zusammen und die Paprika gab es als Sticks zum Eintunken dazu. Diese wurden dann bei einem Film aufgedampft. Manche wurden auch einfach nur schlecht.
Zeitweise schauten wir Filme in Englisch mit englischen Untertiteln, um unser Englisch aufzubessern und alle Filmreihen zu schauen, die wir auch schon immer mal gucken wollten. Meistens verstehe ich 50% des Films und Kevin muss mir am Ende den Zusammenhang der Geschichte erzählen. Um auch meinen persönlichen Hobbies nachzugehen ging ich regelmäßig ins Fitnessstudio und stählerte meinen Körper im Bodypump und Bodycombat.
Um ein bisschen menschliche Kommunikation zu führen, außer mit meinem Chef oder Kevin suchte ich mir per Facebook einen Sportkumpel. Mein lieber Christian kochte mit mir, motivierte mich bei sportlicher Betätigung im Park, ging mit mir in die Stadt und entführte mich auf ein Dach mit schöner Aussicht. Ich bin sehr dankbar, dass ich ihn kennengelernt habe und hoffe, dass man sich öfter als einmal im Leben begegnet. Seine Energie und sein Durchhaltevermögen, die er in einen einzigen Tag stecken kann, würde ich auch gern einmal haben wollen. Er schaffte es innerhalb von einer Woche einen ansehnlichen Job zu finden und sogar Geld zu verdienen mit einer angeknacksten Hand.
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Des Weiteren fand ich meine liebe Miri. Sie war mir eine sehr liebenswerte Freundin, die mich bei sich schlafen ließ, wenn wir die Nacht bis um 5 durchmachten. Sie ist ein sehr fröhlicher Mensch, der sich von nichts im Leben unterkriegen lässt. Wir gingen zusammen feiern und ließen es uns gut gehen.
Manchmal ging ich in unser altes Hostel zurück und unterhielt, feierte und trank mit den anderen Leuten im Hostel. Aber da sie alle jünger waren als ich und eher auf Trinken und neue “Bekanntschaften” aus waren, gab ich nach 3 bis 4 Besuchen auf. Zu einem dieser Zeitpunkte entschied ich mich, meine Bekanntschaften aus dem Hostel alleine betrunken durch die Gegend watscheln zu lassen. Ich ging in einen meiner jetzigen Lieblingsclubs und war über eine plötzliche Begegnung mit 2 meiner Arbeitskollegen von der Pflückgruppe sehr positiv überrascht. Diese beiden wurden auch 2 meiner festen Arbeitsfreunde, die mir manch schwierigen Tag mit positiver Energie und lustigen Gesprächen erleichterten (Jenny und Jalen).
Jenny war eine liebenswerte Taiwanerin, die sehr kommunikativ und motiviert war Englisch zu lernen. Sie war eine der Taiwanerinnen, die sich nicht nur mit ihren taiwanischen Mitmenschen unterhielt. Sie hatte Energie und immer ein Lächeln auf den Lippen. Sie weiß, was sie will und fuhr uns öfters nach Hause nachdem unser letzter Taiwaner das Haus verlassen hatte. Sie ist superkreativ und zeichnet aus dem Handgelenk schöne Bilder. Später mehr zu ihr.
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Jalen war ein Süd-Koreaner, ein Energiebündel und Gentlemen ohne Maßen. Er schaufelte die Erde in einem Affenzahn durch die Gegend und dass für eine Stunde oder mehr. Einfach nur verrückt. Nach einer Weile suchte er sich auch noch einen zweiten Job für den Abend für 3 oder 4 Tage die Woche. Wir vermuten, dies lag an seinem Aufenthalt in der Armee. Da lernt man anscheinend sich zu Tode zu arbeiten. Ich weiß nicht wie er es gemeistert hat, aber irgendwie hat er es geschafft. Er wollte Englisch lernen und es war sehr witzig sein Gesicht zu beobachten, wenn er versuchte den Satz richtig in seinem Kopf zu bilden. Auch später mehr zu ihm.
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Da es ziemlich anstrengend ist 6 Tage (6-10 Stunden) die Woche körperlich anstrengende Arbeit zu verrichten, baten wir unseren Chef uns 2 Wochen Urlaub zu geben, in denen wir weiter Australien erkunden dürfen. Seid gespannt und folgt uns für 2 Wochen durch Südaustralien.
Freu mich für euch , dass ihr diese Erfahrung machen dürft
und der Artikel ist auch noch so schön geschrieben. lg Maria
Schön, mal wieder von euch zu hören bzw. zu lesen
Ihr seid ja richtig fleißig gewesen!
VLG aus Berlin wünscht Jacqueen
Hallo Ihr Lieben,
ein wirklich interessanter und ausführlicher Bericht, wie Ihr Euren Aufenthalt finanziert. Wir zollen Euch großen Respekt!!! Und Laura hat ja tatsächlich schriftstellerisches Talent. Wir warten auf Teil 2.
Danke für den interessanten Beitrag und Teil 1 der Arbeit. Wir haben die Info von Eurer Oma Uschi aus Berlin erhalten.
Sehr beeindruckend waren zum Text natürlich auch die vielen Fotos von Landschaften,Städten und der Feldarbeit
auf den Farmen. Wir wünschen Euch alles Gute, vor allem Gesundheit für die nächste Zeit in Australien. Zunächst
hatten wir einen längeren Text verfaßt, aber es hatte mit der e-Mail -Adresse nicht funktioniert. Der Omi Uschi haben
wir den vorgesehenen Text gemailt, vielleicht sendet Sie es Euch gelegentlich. Grüße von Margrit & Wolfgang